BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Stade

Runder Tisch für Weiterentwicklung der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen notwendig

A20 ist ein verkehrspolitisches Fossil

16.06.26 –

Rund 30 Interessierte diskutierten am Montagabend (15.06.) im Ankerplatz in Wischhafen mit Stephan Christ, verkehrspolitischem Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Björn Hartmann von der FRS Elbfähre Glückstadt-Wischhafen und Renate Matthes von der Initiative "A20 Nie" über die Zukunft der Elbquerung.

Stephan Christ stellte dabei die Frage nach den Prioritäten der Verkehrspolitik. Während bundesweit zahlreiche Brücken, Straßen und Schienen dringend saniert werden müssten, werde weiterhin an milliardenschweren Neubauprojekten festgehalten.

„Die A20 ist ein verkehrspolitisches Fossil aus dem vergangenen Jahrhundert. Für Milliarden Euro werden Moore zerstört, Hunderttausende Tonnen CO₂ freigesetzt und neue Verkehrsströme erzeugt, während Brücken und Straßen im ganzen Land verfallen. Der Bundesrechnungshof empfiehlt ausdrücklich, Neubau- und Ausbauprojekte zurückzustellen, um die dringend notwendige Brückensanierung voranzubringen. Statt Milliarden in neue Autobahnen wie die A20 zu stecken, sollten wir die Infrastruktur erhalten, die wir bereits haben“, erklärte Christ.

Neben den finanziellen Fragen wurden auch die Auswirkungen der A20 auf Natur und Klima thematisiert. Renate Matthes von der Initiative A20 Nie verwies auf die Zerstörung wertvoller Moorflächen, die Freisetzung großer Mengen von CO₂ sowie die Eingriffe in gewachsene Dorfgemeinschaften. Gemeinsam mit Umweltverbänden wie BUND und NABU setzt sich die Initiative seit Jahren gegen das Projekt ein.

Als konkrete Alternative zum geplanten Elbtunnel stellte Björn Hartmann die Weiterentwicklung der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen vor. Durch neue elektrische Fähren, eine höhere Taktung sowie Verbesserungen an den Anlegern könne die Leistungsfähigkeit der Elbquerung nach Angaben der FRS um ein Vielfaches gesteigert werden. Ein erster Schritt wäre die Verlegung der Anleger näher an das tiefere Fahrwasser der Elbe, um die Auswirkungen der zunehmend verschlickten Süderelbe zu reduzieren.

„Wir brauchen Planungssicherheit, um die nächsten Entwicklungsschritte gehen zu können. Die Investitionen in neue Fähren und Infrastruktur sind für ein familiengeführtes Unternehmen eine große Entscheidung, liegen aber nicht annähernd in der Größenordnung eines Elbtunnels. Mit der Modernisierung der Fährverbindung könnten wir innerhalb weniger Jahre eine leistungsfähige, klimafreundliche und verlässliche Elbquerung schaffen. Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, diesen Weg gemeinsam zu gehen“, sagte Hartmann.

Hartmann warb zudem für einen Runden Tisch zwischen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der FRS Elbfähre. Während aus Schleswig-Holstein bereits positive Signale für ein solches Format gekommen seien, fehle bislang eine entsprechende Initiative aus Niedersachsen. Stephan Christ sagte zu, diesen Wunsch als Auftrag aus der Veranstaltung mit nach Hannover zu nehmen.

Ralf Faber, Co-Sprecher der Grünen im Landkreis Cuxhaven, stellte die Frage, ob die für die A20 veranschlagten 7 bis 10 Milliarden Euro nicht wirksamer direkt in die Wirtschaftsförderung investiert werden könnten. Ob die Autobahn tatsächlich die oft versprochenen wirtschaftlichen Impulse für die Region bringen würde, sei dagegen keineswegs gesichert.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Teilnehmende die A20 als ein Verkehrsprojekt aus einer anderen Zeit betrachten. Angesichts maroder Brücken, begrenzter öffentlicher Mittel und der Herausforderungen des Klimaschutzes sprachen sich die Diskutierenden dafür aus, die Modernisierung der bestehenden Fährverbindung zügig voranzutreiben. Ein Aus der Elbfähre sei für viele keine Option, da die Verbindung eine wichtige Rolle für den Fahrradtourismus, die Landwirtschaft und weitere Verkehre in der Region spiele. Mit vergleichsweise überschaubaren Investitionen könne bereits in den kommenden Jahren eine leistungsfähige, klimafreundliche und verlässliche Elbquerung geschaffen werden – zum Vorteil der Menschen in Wischhafen, Glückstadt und der gesamten Region.

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