
30.05.26 –
In einer konstruktiven Runde traf sich Landrat Kai Seefried (CDU), der im September erneut als Landrat kandidieren möchte, mit Vertreter:innen der Grünen im Landkreis Stade, um über die Zukunft der Region zu sprechen. Während Seefried seine Schwerpunkte – Arbeit & Wirtschaft, Sicherheit und Gesundheit – vorstellte, machten die Grünen deutlich: Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und Energie sind elementar wichtige Faktoren für den Wirtschaftsstandort und die Lebensqualität im Landkreis Stade.
Klimaschutz und Energie: Modernisierung und Gesamtstrategie nötig
Als Landkreis mit Elbe und vielen Nebenflüssen wie Este, Schwinge, Lühe und Oste, der von viel Wasser geprägt ist, muss das Wassermanagement modernisiert (digitalisiert) und als Gesamtstrategie gedacht werden. Es geht nicht nur darum, „die Füße trocken zu halten“, sondern auch, Wasser für Trockenperioden zu speichern – etwa für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Hier sind sich die Grünen und Kai Seefried einig.
Gleichzeitig werden auch unterschiedliche Prioritätensetzungen deutlich:
Die Grünen drängen darauf, dass Klimaschutz noch mehr zur Chefsache werden muss. Schon lange fordern sie die Einrichtung einer Stabsstelle Klimaschutz direkt beim Landrat und die feste Verankerung von Klimaschutz als Querschnittsaufgabe. Seefried verweist auf die bereits existierende Leitstelle Klima, die aus Grüner Perspektive aber nicht ausreichend ist.
Kai Seefried betonte, dass der Landkreis Stade als „Energiedrehscheibe mit großem Potenzial“ gelte. Dass Energie ein elementar wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort Stade ist, darin sind sich beide Seiten einig. Allerdings fehlt das Thema Energie bisher in Seefrieds 10-Punkte-Programm – obwohl er dessen Bedeutung betont. Einig sind sich die Grünen und Seefried, dass die Erhöhung der Windenergieflächen auf knapp 4 % im Raumordnungsplan, wie von der Niedersächsischen Landesregierung für den Landkreis Stade vorgegeben, ein wichtiger Schritt ist, von dem die Region als Wirtschaftsstandort profitieren wird. Die Grünen verwiesen auf die Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren, um energiepolitisch unabhängig von Importen zu werden, aber auch, um dauerhaft günstigen Strom vor Ort erzeugen zu können. Dies biete nicht nur für die Wirtschaft vor Ort eine echte Zukunftsperspektive, sondern führt nachweislich zu einer hohen Wertschöpfung vor Ort, die auch den Kommunen und Bürger:innen zugutekommt.
Wohnen: Bezahlbarkeit als Priorität
Aus Bürgerbefragungen der Grünen in verschiedenen Ortschaften wird deutlich: Bezahlbarer Wohnraum wird für die Bürger:innen immer drängender. Die Grünen machen deutlich, dass beim Thema Wohnen nicht nur der Neubau im Fokus stehen darf, sondern auch im Bestand Potentiale genutzt werden müssten, um günstigen Wohnraum zu schaffen. Seefried betonte zwar auch die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum, allerdings war auch hier wiesen die Grünen auf ein Lücke in dessen 10-Punkte-Programm für den Landkreis hin.
Altlasten: „Finger in die Wunde legen“
Die Grüne Kreistagsabgeordnete Karin Aval brachte die Frage ein, wie es mit den 90 Altlastverdachtsflächen im Kreis weitergeht. Aktuell werden nur vier Flächen pro Jahrauf ihren Sanierungsbedarf sondiert – bei diesem Tempo würde es 25 Jahre dauern, bis alle Flächen beurteilt sind. Diese Flächen können ohne großen Verlust für die Gemeinden nicht verkauft oder weitergenutzt werden. Außerdem stellen die potentiell stark belasteten Flächen eine Gefahr fürs Grundwasser dar.
„Wie kann dieser Prozess beschleunigt werden?“, fragte Aval. Seefried antwortete, dass es hier vor allem an Personal fehle, um schneller zu werden – er wünsche sich aber ebenfalls eine Beschleunigung. „Dafür sitzen wir Grüne im Kreistag und werden weiterhin den Finger in die Wunde legen, um diese Dinge schneller anzupacken“, so Aval.
Infrastruktur: Unterschiedliche Prioritäten bei A20 und Fähre
Bereits im Voraus war klar, dass es unterschiedliche Ansichten beim Thema A20 gibt: Während Kai Seefried die A20 für den Wirtschaftsstandort Stade als wichtig erachtet und dem Tunnelbau unter der Elbe Priorität einräumt, betonen die Grünen, dass die Erneuerung und Elektrifizierung der Fähre zwischen Glückstadt und Wischhafen sinnvoller ist,als das Megabauprojekt A20, das noch lange auf sich warten lassen wird.
Demokratie und Gesellschaft: Gemeinsame Sorge vor Rechtsruck
Übereinstimmend sehen die Grünen und Kai Seefried die Sorge vor dem Rechtsruck in unserer Gesellschaft. Grundaufgaben wie Straßen, Verwaltung und Schulen können einen Beitrag dazu leisten, die Demokratie für uns Bürger:innen erlebbar zu machen – und sind damit ein wichtiger Faktor für den Zusammenhalt.
Seefrieds Slogan „Mehr Mut und mehr Miteinander“unterstreicht die Notwendigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden. Die Grünen zeigen sich offen für konstruktive Zusammenarbeit, wo die Ziele übereinstimmen. Doch sie werden weiterhin den Finger in die Wunde legen, wenn es um Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit geht.
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