BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Stade

Grüne feiern Erntedankfest in Drochtersen

Mehr Austausch miteinander

05.10.26 –

Landwirtschaft und die Grünen – passt das zusammen? Wir finden: unbedingt! Denn gerade dort, wo es unterschiedliche Perspektiven gibt, müssen wir miteinander sprechen, statt übereinander.
Deshalb haben wir am Sonntag (04. Oktober 2026) in Drochtersen zu unserem Grünen Erntedankfest eingeladen.

Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Naturschutz und Politik wollten wir darüber sprechen, was die Landwirtschaft bei uns in der Region gerade bewegt – und was sie braucht, um auch in Zukunft gut wirtschaften zu können. Bei Kürbissuppe und selbstgebackenem Kuchen gab es dabei nicht nur eine Diskussionsrunde, sondern auch viel Gelegenheit für persönliche Gespräche.

Eine gute Ernte ist keine Selbstverständlichkeit
Pascal Leddin, agrarpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, erinnerte daran, worum es beim Erntedank eigentlich geht: "Eine gute Ernte ist keine Selbstverständlichkeit. Wie viel am Ende eines Jahres geerntet werden kann, hängt noch immer ganz wesentlich von Wetter, aber auch von den sich verändernden klimatischen Bedingungen ab. Gerade angesichts zunehmender Wetterextreme wird uns das immer wieder vor Augen geführt. Für uns bedeutet Erntedank deshalb auch: Danke zu sagen an die Menschen, die unsere Lebensmittel produzieren – und gleichzeitig darüber zu sprechen, unter welchen Bedingungen sie diese Arbeit leisten."

Landwirtschaft braucht eine verlässliche Zukunft
Wie schwierig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen teilweise sind, machte Kerstin Hintz, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbands Niedersachsen/Bremen, deutlich. Wenige große Konzerne haben erheblichen Einfluss auf den Lebensmittelmarkt und die Preise. Wer regionale und nachhaltige Landwirtschaft erhalten möchte, muss deshalb auch darüber sprechen, wie landwirtschaftliche Betriebe von ihrer Arbeit gut leben können.

Positiv hob Hintz dabei die Arbeit unserer Grünen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte hervor. In Niedersachsen seien in den vergangenen Jahren wichtige Schritte für eine Landwirtschaft gegangen worden, die Ökologie und wirtschaftliche Perspektiven zusammendenkt.

Auch Inger-Roxanne Martens von den Junglandwirt*innen Stade und Simon Ecks von der Fachgruppe Obstbau des Landvolks Stade machten deutlich, wie entscheidend Planungssicherheit ist. Wer heute einen Hof übernimmt oder einen Betrieb für die kommenden Jahrzehnte aufstellt, muss wissen, unter welchen Rahmenbedingungen morgen gewirtschaftet werden kann.

Gerade die Personalkosten sind dabei ein entscheidender Faktor. Simon Ecks machte am Beispiel des Obstbaus deutlich, wie arbeitsintensiv Landwirtschaft sein kann: Für einen Hektar Äpfel werden rund 400 Arbeitsstunden benötigt, bei einem Hektar Erdbeeren sind es sogar rund 2.000 Stunden.
Die Klimakrise ist auf den Höfen längst angekommen.

Besonders eindrücklich war für uns auch, wie konkret sich die veränderten klimatischen Bedingungen bereits auf die Arbeit im Obstbau auswirken. Simon Ecks berichtete von Frostberegnung, Dürreberegnung und Beregnung zum Schutz der Früchte vor Sonnenbrand. Hinzu kommen Extremwetterereignisse wie Hagel und immer höhere Kosten für entsprechende Versicherungen.
Das zeigt: Über die Klimakrise sprechen wir nicht über ein abstraktes Problem der Zukunft. Die Landwirtschaft muss sich schon heute an veränderte Bedingungen anpassen – und das kostet Arbeit und Geld.

Gleichzeitig gehören für uns Landwirtschaft und Naturschutz zusammen. Der NABU Stade war deshalb ebenfalls dabei und informierte an einem eigenen Stand über Artenvielfalt und Naturschutz. Denn eine Landwirtschaft mit Zukunft braucht intakte Böden, Artenvielfalt und ein stabiles Klima.

Wir wollen weiter miteinander reden
Natürlich waren wir an diesem Nachmittag nicht bei jedem Thema einer Meinung. Und genau deshalb sind solche Gespräche wichtig. „Anstatt nur übereinander zu reden, müssen wir miteinander diskutieren“, brachte es Martin Lüdders, Landwirtssohn und frisch gewähltes Mitglied im Gemeinderat Drochtersen, auf den Punkt.
Wir wollen diesen Austausch fortsetzen. Denn Landwirtschaft, Klimaschutz und Naturschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wenn wir wollen, dass auch in Zukunft regionale Lebensmittel produziert werden, junge Menschen Höfe übernehmen und Landwirtschaft eine wirtschaftliche Perspektive hat, müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen.

Herzlichen Dank an alle, die Sonntag durch ihre Auf- und Abbauhilfe, Kaffee-und sehr leckeren Kuchenspenden, Fragen und Diskussionsbeiträge zum Gelingen des Erntedankfest auf dem Lüddershof beigetragen haben. Es war ein toller informativer Tag.

 

Kategorie

2026 | Landwirtschaft

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