
12.08.26 –
Umweltminister Christian Meyer zu Besuch in Jork
Am 12. August 2026 waren die Ortsverbände Horneburg, Jork und Lühe von B90/Die Grünen Gastgeber:innen für einen bemerkenswerten Dialog. Eingeladen waren der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer, Maria Huber von der ökologischen Station Stade (BUND) und der Jorker Bürgermeister Matthias Riel (parteilos), der auch als Vorstandsmitglied im Hochwasserschutzverband Este agiert. Mehr als 100 Interessierte fanden sich im Hotel Altes Land in Jork ein und verfolgten, verteilt über den Abend, ein besonderes Highlight. Die aus Hannover stammende Poetry-Slammerin Antonia Josefa schlug das Publikum mit ihren drei umwelt- und gesellschaftskritischen Texten in ihren Bann und erhielt begeisterten Applaus.
Der eigentliche Fokus des Abends aber richtete sich auf die Elbnebenflüsse, die wegen der anhaltenden Elbvertiefungskritik und der aktuellen Planung zur Erhöhung der Deiche nach wie vor nur wenig Beachtung finden. Doch kommt es gerade an diesen Wasserläufen immer wieder zu verheerenden Notständen. 2001 ging Horneburg unter Wasser. Weihnachten 2023 trat die Lühe über die Ufer. Die Expert:innen waren sich einig: Schöpfwerke versprechen Rettung, verschlingen aber erhebliche finanzielle Mittel. Außerdem braucht deren Realisierung viel Zeit. Unbedingt sinnvoll ist die parallele Entwicklung von Rückhaltebecken und mäandernde Flussverläufe.
Christian Meyer plädierte eindringlich: „Wir müssen der Natur helfen, sich selbst zu helfen. Renaturierung, wo immer es geht, ist oberstes Gebot.“ Dem stimmte Maria Huber ausdrücklich zu. „Gewässer müssen sich winden können. Bei Überflutung wird der Abfluss verlangsamt, was einem biologischen Hochwasserschutz gleichkommt.“ Dennoch können extreme Wetterereignisse zu katastrophalen Überschwemmungen führen. Das ist in der Kommunalpolitik nur allzu bekannt. „Es gibt keine Bürgermeisterrunde mehr“, erläuterte Matthias Riel, „wo es nicht um Hochwasserschutz geht. Wassermanagement geht definitiv nur gemeinsam, da sind alle gefordert – Ministerium, Behörden, Landkreis, Verbände, Gemeinden.“ Am Hochwasserschutzverband Este sind 25 Kommunen beteiligt, hinzukommt eine Vielzahl an Verbänden und Interessengruppen.
Christian Meyer nutzte den Besuch in Jork auch, um sich persönlich über ein besonders wichtiges Pilotprojekt unterrichten zu lassen. Die Borsteler Binnenelbe ist der Wasserspeicher für 2500 Hektar Obstbaufläche. Sie fasst 600.000 Kubikmeter Wasser. Für die Jorker Obstbauern ist dieses Reservoir überlebensnotwendig. Mit der letzten Elbvertiefung setzte aber eine permanent zunehmende Verschlickung ein. Das Gewässer versandet, der Wasserspiegel sinkt. Bis 2055 wird es keine Binnenelbe mehr geben. Die höchst komplizierte und immens zeitaufwändige Planung für eine baldige Ausbaggerung sieht vor, dass das ausgehobene Material – von Experten auch Klei genannt – für die dringend notwendige Deicherhöhung genutzt werden soll. Christian Meyer sagte die vollumfängliche Unterstützung seines Ministerium zu. Das freute insbesondere Bürgermeister Matthias Riel: Er „ist sehr kooperativ uns [der Gemeinde Jork; Anm. d. Redaktion] gegenüber und das spüren wir auch aus seinem Haus.“
Die Besucher:innen der Veranstaltung bekamen zudem die Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen. Es zeigte sich, dass Klimaschutzmanagement eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist und vom Land Niedersachsen finanziert wird. Bürgermeister Matthias Riel verwies auf die JorkerQuartierskonzepte und als Beispiel insbesondere auf die Entsiegelung und naturnahe Gestaltung von Spielplätzen. Deren Beschattung hatten die Jorker Grünen im Gemeinderat durchgesetzt.
Der Umweltminister sagte den Anwesenden abschließend mehr Personal, schnellere Entscheidungen und das notwendige Geld zu. Er verwies abschließend auf das gerade verabschiedete niedersächsische Wassergesetz, das nicht nur den Hochwasser- und Küstenschutz umfasst. „Wasser ist keine normale Handelsware, sondern ein schützenswertes Gut. Wasser wird immer knapper.“ In der Hälfte der deutschen Landkreise herrscht bereits potenzieller Grundwasserstress, schon traten erste Notfallpläne in Kraft. „Wir können auf alles verzichten, aber nicht auf Wasser,“ so Christian Meyer. „Letztlich geht es dabei um Menschenleben.“
Präsentation der Ökologischen Station Stade : Wenn das Wasser von oben kommt
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