Minister Meyer und Landwirte gehen aufeinander zu

Moderat im Ton, hart in der Sache, und am Ende stand sogar die Hoffnung auf eine bessere Gesprächskultur unter den wichtigen Akteuren in der niedersächsischen Landwirtschaft. „Wir Grünen haben heute gezeigt, dass wir keine Bauernhasser sind und auf der Seite der bäuerlichen Landwirtschaft stehen“, so das Fazit von Ralf Poppe, Stader Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nach einer kurzweiligen und hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zum Thema Milchpreiskrise.

LANDKREIS. Talkrunde zum Thema Milchpreiskrise und Perspektiven der Landwirtschaft in der Stader Seminarturnhalle.
Moderat im Ton, hart in der Sache, und am Ende stand sogar die Hoffnung auf eine bessere Gesprächskultur unter den wichtigen Akteuren in der niedersächsischen Landwirtschaft. „Wir Grünen haben heute gezeigt, dass wir keine Bauernhasser sind und auf der Seite der bäuerlichen Landwirtschaft stehen“, so das Fazit von Ralf Poppe, Stader Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, nach einer kurzweiligen und hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zum Thema Milchpreiskrise.

Welche Perspektiven haben bäuerliche Familienbetriebe in der Milchwirtschaft? Zu dieser Fragestellung hatte der Grünen-Kreisverband Stade am Dienstagabend eine interessante Runde in der Seminarturnhalle in Stade versammelt. Neben dem bei vielen Landwirten nicht sonderlich beliebten grünen niedersächsischen Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Christian Meyer, war Kreislandwirt Johann Knabbe als höchster Vertreter der Landwirte der Region eingeladen. Beide Männer trennt inhaltlich viel. Komplettiert wurde die Talkrunde von Sandra Steffens, einer Milchbäuerin aus Armstorf bei Lamstedt, Jürgen Rademacher von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Elbe-Weser und Carsten Wist, ein Milchbauer aus Wischhafen.

Die Gründe für die Milchpreiskrise: Mit Russlands Einfuhrverbot ist für europäische Lebensmittel ein wichtiger Absatzmarkt weggebrochen. In China schwächelt die Nachfrage. Und es gibt Milchbauern, die den Wegfall der EU-weiten Milchquote zum 1. April für ihre Misere verantwortlich machen. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) sank der deutsche Milchpreis im Schnitt seit Ende 2013 von 41 auf 28 Cent. Mit dem aktuellen Preis können die Bauern nach eigener Darstellung ihre Kosten nicht mehr decken – zwischen 35 und 40 Cent seien dafür nötig.

In der Diskussion zeigten sich sehr schnell die unterschiedlichen Positionen. Minister Meyer und Ökobauer Rademacher setzen auf eine regionale Vermarktung und wollen so höhere Preise erzielen, und Meyer sprach von einem gesellschaftlichen Bündnis für höhere Preise und den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft und kleinerer Betriebe – vergleichbar mit dem Weg, wie die erneuerbaren Energien gefördert werden. Meyer will außerdem den EU-Binnenmarkt weiter gegen günstigere Konkurrenz aus Übersee abschotten.

Aus Sicht der konventionellen Landwirte sind das schöne Nischensegmente, die das grundsätzliche Problem nicht lösen. Die Probleme seien zu komplex für einfache Antworten und der Export auf dem Weltmarkt eine Möglichkeit, Milchprodukte wie Käse oder Milchpulver zu verkaufen, sagte Kreislandwirt Knabbe. „Wenn ich 10 000 Liter Milch am Tag produziere, dann ist das nicht regional zu vermarkten“, sagte Wist, der sich in den vergangenen Jahren auf die Milchviehhaltung spezialisiert hat und 350 Kühe melkt.

Immer wieder – auch in der Diskussion mit den knapp 100 Zuschauern in der Seminarturnhalle in Stade – wurden die hohen und ständig steigenden Auflagen kritisiert. „Die Politik wünscht sich kleine Betriebe und sorgt mit steigenden Auflagen dafür, dass nur die Großen überleben können“, so Sandra Steffens.

Während die Unterschiede in den inhaltlichen Positionen bekannt sind, gab es in Stade durchaus Signale des grünen Ministers, die auch die anwesenden Bauern ein positives Fazit des Treffens ziehen ließ. Meyer versprach mehrfach, vorgebrachte Probleme wie die wohl gefährdete Finanzierung des Tags des offenen Hofs und aus Sicht der Landwirte unsinnige Bestimmungen noch einmal zu hinterfragen. „Es war gut, dass wir heute miteinander geredet haben“, sagte Carsten Wist.


Landwirtschaft im Kreis
Der Schwerpunkt der Landwirtschaft im Landkreis Stade liegt in der Milchviehhaltung. Es gibt 35 000 Milchkühe bei 520 Haltern. Pro Betrieb sind das 73 Milchkühe. Rechnet man nur die Haupterwerbs-Landwirte, sind es sogar 106 Kühe pro Betrieb. Die Landwirte im Kreis liefern am Tag rund sechs Millionen Liter Milch aus. Die Bedeutung der Milchviehhaltung spiegelt sich auch bei der Nutzung des Bodens wider. Von den 79 000 Hektar (ha), die im Kreis bewirtschaftet werden, sind 32 000 ha Grünland, 39 000 ha Ackerland und 8000 ha Obstbau. Beim Ackerbau sind 16 000 ha Mais, der in der Mehrzahl auch in die Verfütterung an die Milchkühe geht. Es gibt insgesamt 1600 Betriebe, davon 1100 im Haupterwerb, die sich wiederum in 700 landwirtschaftliche und 400 Obstbau-Betriebe aufteilen.

Quelle: Stader Tageblatt  vom 28.10.2015
Redakteur: Karsten Wisser


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